Von der Rohfassung zum Manuskript

Bist du auch so ein Bauchschreiber, wie ich? Schreibst du auch die erste Fassung einfach runter, ohne zu verbessern? Und markierst du Stellen, an denen du noch Recherchieren solltest, auch einfach nur bunt und machst zunächst mit dem Roman weiter?

Dann dürftest du (wie ich) am Ende einer Rohfassung auch dieses Gefühl kennen: Auf der einen Seite irre glücklich und stolz auf dich zu sein, und andererseits würdest du dir gerne die Haare raufen, weil dir all die vielen offenen und fehlerhaften Stellen nur all zu bewusst sind.

Hier also meine Herangehensweise, wie aus meiner Rohfassung ein richtiges Manuskript wird.


Während dem Schreiben bin ich in einer Hochphase, ich denke und fühle mich so sehr in meine Figuren ein, dass mich so nichtige Dinge, wie Überarbeitungen, zu sehr rausreißen würden. Ich beneide Autoren, die während der Schaffensphase immer wieder verbessern und am Ende dann nur noch Feinarbeiten anstehen haben. Bei mir ist das nicht so! Darum erschlägt mich dieses umfassende Überarbeiten am Anfang immer. Zumindest so lange, bis ich einen "Fahrplan" überlegt habe.


Schritt 1: Recherche

Solltest du noch Reherchefragen offen haben, ist spätestens JETZT der passende Zeitpunkt sie abzuarbeiten. Oft hilft es ja schon, Google zu befragen oder in Wikipedia zu surfen. In speziellen Fällen muss man Freunde oder Verwandte zu bestimmten Themen befragen und wenn man niemandem kennt, der einem weiterhilft, dann muss man Experten auftreiben und mit ihnen Kontakt aufnehmen. Nur keine Scheu!


Schritt 2: Streichen oder Ausformulieren

Der große Tag ist gekommen: Ich drucke mir meine Seiten aus (meistens im kaum lesbar kleiner Schrift um Blätter zu sparen) und lese mir den Roman durch, als wäre es ein fremder Text. Wichtig hierbei: Wenn du es nicht schafft objektiv an die Geschichte heranzugehen, wirst du deine Fehler einfach überlesen und nicht kritisch genug sein können. Lass dazu einfach genug Zeit vergehen, ehe du dich ans Korrigieren machst.

Bei diesem ersten Korrekturdurchgang markeire ich mir zwar auch schon offensichtliche Rechtschreibfehler, aber darum soll es eigentlich noch gar nicht gehen. Du musst jetzt erst mal die grobe Arbeit leisten. Langatmige Stellen, bei denen du schon zum Querlesen neigst, müssen unbedingt gekürzt werden. Oder Passagen, bei denen einfach kein richtiges Gefühl hochschwappen will (obwohl es wichtig wäre), müssen nochmal überarbeitet werden.

Oft markiere ich mir solche Stellen, die ich umschreiben will, mit einem gelben Textmarker. Stellen die rausgenommen werden können, streiche ich gleich durch. Und wenn ich Absätze kürzen möchte, setze ich sie in große Klammern.

Da hat jeder seine eigenen Markierungen, wichtig ist nur, dass du am Ende noch durchblickst welches Zeichen für was steht.


Schritt 3: Der Computer

Die kritische Phase der Überarbeitung beginnt. Zumindest für mich. Am Computer lauern einfach viel zu viele Ablenkungen. Facebook und Youtube fordern enorm viel Aufmerksamkeit und die unliebsamen Überarbeitungen schiebe ich dann gerne mal vor mit her. Da hilft nur eins: Disziplin und ein (selbstauferlegter) Abgabetermin.

Jetzt arbeite ich all meine Markierungen ab. Die Detailkorrektur kommt hier aber immer noch nicht dran. Dafür bringe ich den Roman spätestens jetzt in eine Form. Teile ihn in Kapitel ein, mache Absätze und Leerzeilen usw.


Schritt 4: Feintuning

Ich habe das riesige Glück, mit Papyrus Autor arbeiten zu können. Das Programm bietet eine sehr umfassende Rechtschreibkorrektur an, findet auch Wortwiederholungen und Füllwörter und hat mit seinem Duden on Board auch eine riesige Datenbank an Synonymwörtern.


In diesem Schritt schalte ich also erstmals feierlich meine Rechtschreibüberprüfung ein und bin erst mal geschockt, wie bunt der Roman danach ist. Dann arbeite ich mich Absatz für Absatz voran. Korregiere zuerst die fehlerhaften Sätze/Wörter, überlege dann welche Füllwörter raus können und ob ich bei Wortwiederholungen die Sätze umstrukturiere, oder ein anderes Wort dafür finden will/kann/muss. Manchmal gehören Wortwiederholungen und Füllwörter einfach genau da hin. Dann lasse ich sie auch so stehen.

Gerade beim Dialog gelten ganz andere Regeln. Da darf es Umgangssprachlich sein und wenn uns etwas besonders wichtig ist, dann wiederholen wir es beim Reden. Würden meine Figuren perfekt ausformulierte Sätze sprechen, würde es sich gestelzt anhören.


Schritt 5: Testleser

Laut Stephen King sollen die Testleser einem Wohlgesonnen sein und dürfen auch ganz klar Partner, Freund und Kind sein. Andere Ratgeber empfehlen möglichst neutrale und kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.

Meine persönliche Erfahrung? Wohlgesonnene, kritische Menschen und dazu ein paar Seelenstreichler. Ich habe durch meinen ersten Roman ein paar ganz liebe Blogger und andere Autoren kennengelernt und denen gebe ich sehr gerne mein Romanbaby in die Hand. Ich weiß, dass ich deren kritik ernst nehmen kann und dass sie mich auf Schwächen im Buch hinweisen werden.

Dazu gebe ich mein Rohbuch aber auch meinem Mann und meiner Mutter. Manche Fehler finden sie auch, aber hier geht es vor allem darum, dass sie mit mir über die Charaktere reden, die Geschichte mit mir gemeinsam toll finden. Für mich ist das die ideale Testleserschaft. Lasst euch also nicht von Ratgebern irritieren, ich glaube, als Autor weiß man einfach, wer dem Buch gut tut und wer nicht.


Schritt 6: Und nochmal Bearbeiten

Es ist so weit, die Testleser haben ihre Kritiken an dich geschickt. Manche schrieben nur, dass es ihnen an einer bestimmten Stelle irgendwie zu langweilig war. Warum können sie aber nicht sagen. So geht es vielen Lesern (und auch so manchem Autor), sie sehen instinktiv, dass da beim Text was nicht passt, können aber nicht genau sagen, woran das liegt.

Andere sind besser darin, ihre EIndrücke auszuformulieren und können dir ganz genau sagen, warum und wo es hakt. Auch wenn die Erkenntnisse manchmal sehr weh tun können und vor allem Logikfehler einen unglaublich großen Aufwand aufwerfen. Lieber findest du sie jetzt, in dieser Phase, wo noch alles offen ist. Als später, wenn schon Bücher gedruckt wurden.

Dahingegen gibt es auch Bemerkungen von Lesern, die man nicht übernehmen muss, aber natürlich kann. Vor allem beim Ende gibts da nie die Version, die allen gefällt. Sollten jedoch viele Stimmen dasselbe fordern, solltest du unbedingt deren Argumente sehr genau anhören und gut abwägen, wie du dich entscheidest. Letztendlich schreibst du schließlich (sofern du veröffentlichen willst) für deine Leser und nicht mehr nur für dich alleine.


Schritt 7: Psst! Ich lese!

Und wieder drucke ich mir den Roman aus. Oder ich lade ihn mir auf den Kindle, laufe langsam durch die Wohnung und lese ihn langsam und betont vor, als gäbe es eine Zuhörerschaft. Jetzt merkst du all die holpernden Textstellen. Absätze, bei denen du flotter beim Lesen wirst und die du gerne überspringen würdest, musst du auch nochmal anschauen. Oft können sie noch gestrafft werden.

Auch Fehlerchen oder übersehene Wörter kannst du hier nochmal aufspüren.


Fertig!

Jetzt kannst du dein Werk an einen Verlag, Agenten, Lektor, Korrektor, Drucker, Onlinemarkt oder sonstiges übergeben.


Viel Erfolg!


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Renee Bensinger (Mittwoch, 01 Februar 2017 14:52)


    Hey just wanted to give you a brief heads up and let you know a few of the pictures aren't loading correctly. I'm not sure why but I think its a linking issue. I've tried it in two different internet browsers and both show the same outcome.

  • #2

    Luis Matthes (Sonntag, 05 Februar 2017 12:15)


    It's an amazing article designed for all the internet people; they will take benefit from it I am sure.